Untersuchungen im Mittelpunkt: Gefängnisstrafe für Bewertungsbetrug

Im zweiten einer Reihe von Artikeln, die hinter die Kulissen blicken und die wichtige Arbeit unserer Untersuchungsabteilung für Bewertungsbetrug vorstellen, geht es um eine italienische Untersuchung, die einige bahnbrechende Ergebnisse erzielte …

Der Kauf oder Verkauf von gefälschten Bewertungen – bekannt als bezahlter Bewertungsbetrug – ist nicht nur unehrlich, sondern auch in vielen Ländern illegal. Zum Glück ist aufgrund unserer hochentwickelten Betrugserkennungs- und Abschreckungsmethoden die Anzahl der Betrugsversuche auf TripAdvisor sehr gering. Wir nehmen jeden versuchten Bewertungsbetrug sehr ernst und gehören in Sachen Betrugsaufdeckung mit über 15 Jahren Erfahrung zu den führenden Unternehmen der Branche.

Unsere Untersuchungsabteilung für Bewertungsbetrug machte 2015 ein neues illegales Unternehmen in Italien namens PromoSalento ausfindig, das angeboten hat, gefälschte Bewertungen für das Gastgewerbe zu schreiben, um deren Profil auf TripAdvisor aufzubessern. Mehrere italienische Unternehmen haben diese E-Mails an uns weitergeleitet, womit eine Untersuchung begann und der Verantwortliche hinter PromoSalento letztlich eine Gefängnisstrafe erhielt.

So sind wir dabei vorgegangen:

1. Schritt: Betrüger ermitteln

Der erste Schritt der Untersuchung war die Feststellung der Identität des Verantwortlichen hinter den E-Mails sowie anderer Personen, die wir im Verdacht hatten, mit dem Unternehmen PromoSalento an dem Betrug beteiligt zu sein. Durch Nachforschungen und Ermittlungen hat unsere Untersuchungsabteilung eine Vielzahl von Informationen zu den Beteiligten zusammengetragen, wie z. B. E-Mail-Adressen, Wohnadressen und persönliche Kontakte.

2. Schritt: Beweise sammeln und Bewertungen blockieren

Im nächsten Schritt galt es nachzuweisen, dass PromoSalento nicht nur für Services zum Fälschen von Bewertungen warb, sondern tatsächlich versucht hatte, gefälschte Bewertungen an unsere Website zu übermitteln. Das ist ein wichtiger Schritt, da Unternehmen oder Personen manchmal behaupten, sie könnten gefälschte Bewertungen übermitteln oder Einfluss auf unsere Website nehmen, nur um dann wieder von der Bildfläche zu verschwinden, sobald ein Unternehmen für ihre "Services" bezahlt hat.

Unsere Untersuchungsabteilung hat fortschrittliche digitale Forensik genutzt, um Verbindungen zwischen PromoSalento und versuchten Übermittlungen zu unserer Website zu identifizieren und zu analysieren. Im Laufe der Untersuchung hat unsere technische Analyse mehr als 1.000 Versuche von PromoSalento, Bewertungen zu Hunderten von Unternehmen an die TripAdvisor-Website zu übermitteln, identifiziert und blockiert oder entfernt.

PromoSalento versuchte, unseren Prüfungen zu entgehen, indem es seine Benutzernamen und E-Mail-Adressen regelmäßig änderte. Doch unseren Prozessen zur Betrugserkennung liegen fortschrittliche Technologien zugrunde, sodass wir Hunderte von Bewertungsattributen auswerten konnten, wie etwa IP-Adressen, Browser und sogar die Auflösung des Bildschirms eines Bewerters. Basierend auf dieser Analyse konnten wir "Brotkrumen" zu digitalen Aktivitäten und Verhaltensweisen aufspüren, die unser Team direkt zu PromoSalento zurückführte.

3. Schritt: Unternehmen bestrafen

Der nächste Schritt war, die Verbindung zwischen diesen Aktivitäten und den Unternehmen aufzudecken, die PromoSalento dafür bezahlten, gefälschte Bewertungen in ihrem Namen zu schreiben. Wir sind der Auffassung, dass diejenigen, die die Regeln nicht einhalten, bestraft werden müssen, und erlegen Unternehmen harte Strafen auf, die versuchen, unser System zu manipulieren.

Unsere Untersuchungsabteilung hat detaillierte Beweise gesammelt, die mehrere Hundert Unternehmen mit gefälschten Bewertungen in Verbindung bringen, die von PromoSalento übermittelt wurden. Das Team hat diese Unternehmen darüber in Kenntnis gesetzt und Strafen verhängt, wodurch deren Ranking-Position herabgestuft wurde. Eine Ranking-Strafe – zum Herabsetzen der Position eines Unternehmens im TripAdvisor-Beliebtheitsranking – ist oft die erste Strafe, die wir in diesen Fällen einsetzen.

Rotes Badge

Für den Großteil der Unternehmen, deren Verbindung mit PromoSalento wir nachgewiesen haben, waren unsere Ranking-Strafen ausreichend, um den Betrug zum Erliegen zu bringen. Aber wenn wir weiterhin verdächtige Aktivitäten beobachteten, war der nächste Schritt ein rotes Badge, das auf dem TripAdvisor-Eintrag des Unternehmens angezeigt wird und Reisende darauf hinweist, dass das Unternehmen versucht, Bewertungen zu manipulieren. Dieser Hinweis nennt die Art des Betrugs, die wir ermittelt haben.

Wir versuchen stets, mit Unternehmen in Kontakt zu treten, bevor wir ein rotes Badge einsetzen, und in diesem Fall erklärten sich mehrere Unternehmen dazu bereit, Informationen offenzulegen, um die TripAdvisor-Untersuchungen zu unterstützen. Dadurch konnten wir sogar noch mehr Beweise gegen PromoSalento sammeln, wie z. B. Zahlungsbestätigungen, Bankvorgänge und Servicebelege.

4. Schritt: Den Betrügern das Handwerk legen

Auf Grundlage all dieser Beweise haben wir uns mit unserer Rechtsabteilung darangesetzt, die Aktivitäten von PromoSalento zu unterbinden. In den meisten Fällen findet die Geschichte hier ein glückliches Ende: Die Firma, die für Bewertungen bezahlt wird, erkennt, dass wir ihnen auf der Spur sind, unsere Systeme erschweren ihre Arbeit und ihr Geschäftsmodell ist nicht mehr umsetzbar. In der Tat haben wir seit dem Jahr 2015 die Aktivitäten von weltweit mehr als 60 verschiedenen Unternehmen, die für Bewertungen bezahlt wurden, aufhalten können.

Leider bleibt eine geringe Anzahl von Betrügern aktiv, entweder auf TripAdvisor oder nachfolgend auf anderen Bewertungs-Websites mit weniger ausgeklügeltem Betrugsschutz. In den meisten solcher Fälle arbeiten wir mit Strafverfolgungs- und Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt zusammen, um ihnen unsere Beweise zu unterbreiten und sie bei der Verfolgung dieser Serientäter zu unterstützen.

Im Falle von PromoSalento war die italienische Post- und Kommunikationspolizei ihnen bereits auf der Spur.

5. Schritt: Strafverfolgung

Parallel zu unserer Untersuchung meldete ein Restaurantbetreiber aus Trieste, der Werbe-E-Mails von PromoSalento erhalten hatte, den Fall der italienischen Post- und Kommunikationspolizei, die ebenfalls Untersuchungen einleitete. Unternehmensinhaber sind wertvolle Partner im Kampf gegen bezahlten Bewertungsbetrug und dieser Fall zeigt die wichtige Rolle, die sie dabei spielen können.

Die Polizeiuntersuchungen zu PromoSalento lieferten genügend Beweise für kriminelle Handlungen, um den Fall vor Gericht zu bringen. TripAdvisor war offiziell ziviler Kläger bei der Strafverfolgung. Wir haben Beweise aus unseren eigenen Untersuchungen geliefert und wurden von unserem italienischen Rechtsberater unterstützt.

So konnte eines der ersten Verfahren dieser Art eingeleitet werden.

Im Juni 2018 befand das Strafgericht von Lecce den Inhaber von PromoSalento wegen krimineller Handlungen für schuldig, da er mit einer falschen Identität Betrug begangen hatte. Er wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt und musste rund 8.000 Euro für Kosten und Schäden zahlen.

Dieses Urteil ist aus unserer Sicht wegweisend für die weitere Entwicklung im Internet. Gefälschte Bewertungen auf TripAdvisor bedeuteten schon immer einen Verstoß gegen die Gesetzgebung vieler Länder, zum Beispiel die in der EU geltende Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken sowie nationale Gesetze im Zusammenhang mit Verbraucherschutz, Betrug und unwahrer Werbung. Das ist jedoch das erste Mal, dass Gesetze bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung durchgesetzt wurden. Das Urteil macht deutlich, dass gefälschte Bewertungen unter Gesetzen zum Betrug durch Nachahmung als kriminelle Handlungen gelten.

6. Schritt: Zusammenarbeiten, um bezahlten Bewertungsbetrug zu unterbinden

Bei TripAdvisor bekämpfen wir bezahlten Bewertungsbetrug offensiv und decken ihn erfolgreich auf. Aber alleine können wir nicht viel erreichen. Wir begrüßen weitere Möglichkeiten, mit Unternehmen aus dem Gastgewerbe, Verbraucherrechtsorganisationen sowie Regulierungs- und Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten, um die beständigsten bezahlten Bewertungsbetrüger zu belangen. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir solchen Betrügern noch erfolgreicher das Handwerk legen.

7. Schritt: Wie können Sie helfen?

Wenn Sie Angebote zum Erstellen von Bewertungen gegen Bezahlung erhalten haben, setzen Sie uns bitte davon in Kenntnis. Lassen Sie sich nicht auf Unternehmen ein, die bezahlte Bewertungen anbieten. Sie können Ihrem Unternehmen schaden. Jegliche Informationen über solche Unternehmen oder Personen können Sie unter paidreviews@TripAdvisor.com direkt an unser Team weiterleiten.

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Zuletzt aktualisiert: 11. September 2018