Schlimmste Erfahrungen mit Hanoi Transfer Service
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Anlässlich meines 58. Geburtstags planten meine Ehefrau und ich vom 8. Juli 2019 bis 17. Juli 2019 eine Reise nach Vietnam, beginnend mit zwei Nächten im Oriental Jade Hotel in Hanoi, danach eine dreitägige Kreuzfahrt mit Bhaya Cruises in der Halong Bucht und nach einer weiteren Nacht in Hanoi vom 13. Juli 2019 bis 15. Juli 2019 eine dreitägige Tour in die Berge Nordvietnams zu den Ban Gioc Wasserfällen und zum Ba Be See. Diese Tour fragten wir am 23. Juni 2019 bei „Hanoi Transfer Service“ (HTS), dem angeblich professionellsten Tour Anbieter in Hanoi, an und erhielten bereits eine Stunde später die gewünschte Tour in Form einer Gruppenreise angeboten zum Preis von 210 US-Dollar pro Person. Eine Stunde später erhielten wir eine weitere E-Mail, dass uns versehentlich ein falscher Preis genannt wurde. Bei einer Teilnehmerzahl von 1-2 Personen innerhalb einer größeren Reisegruppe seien es 270 US-Dollar pro Person. Wir waren mit dem neuen Preis einverstanden. Daraufhin bekamen wir per E-Mail einen Link zu einem vietnamesischen Bezahlportal, wo wir den kompletten Reisepreis bezahlten. Wenige Minuten später erhielten wir die Bestätigung, dass unsere Zahlung eingegangen sei und wir am 13. Juli 2019 um 8 Uhr morgens in Lobby unseres Hotels abgeholt würden. Somit war die Buchung der Tour am 23. Juni 2019 abgeschlossen. Bezahlung und Durchführung waren von Hanoi Transfer Service bestätigt. Was konnte da noch schiefgehen?

Dann, am 29. Juni 2019, erhielten wir eine ominöse E-Mail. Bedauerlicherweise konnte die Tour nicht für uns "geklärt" werden. Wir könnten an der Tour nun erst am 23. Juli 2019 und in einer kleineren Gruppe teilnehmen. Ich antwortete, dass wir uns nur bis zum Morgen des 17. Juli 2019 in Vietnam aufhalten würden und der neue Termin für uns deshalb nicht funktioniere. Die Tour müsse wie bestätigt vom 13.-15. Juli stattfinden, weil wir kein anderes Zeitfenster mehr dafür frei hätten. Dann wollte HTS den Termin auf 12.-14. Juli verschieben, was jedoch wegen unserer Kreuzfahrt in der Halong Bucht, die erst am 12. Juli nachmittags endete, nicht möglich war. Wir boten an, die Tour gegen Rückerstattung unseres bezahlten Reisepreises zu stornieren, nachdem diese offensichtlich nicht verfügbar sei. Die Antwort war, dass ein Manager unserer Kontaktperon bei HTS den Reispreis zwar rückerstatten könne, sie dann aber dafür bestraft würde. Deshalb würde sie nun versuchen, unsere Tour als private Tour mit eigenem Fahrer und Tour Guide zu organisieren, sofern wir bereit wären, weitere 25 US-Dollar pro Person zu bezahlen. Wir erklärten uns damit einverstanden, bezahlten die zusätzlichen 50 US-Dollar und erhielten noch am 29. Juni 2019 die entsprechende Bestätigung mit allen Details.

Am 12. Juli 2019 bestätigte HTS nochmals per E-Mail unsere Abholung vom Hotel am nächsten Morgen um 8 Uhr. Am 13. Juli 2019, pünktlich um 8 Uhr morgens, wurden wir dann auch von Tour Guide und Fahrer an unserem Hotel abgeholt. Das Auto war ein verbeulter kleiner Toyota Vios mit mehr als 400.000 km auf dem Tacho und durchgesessener Rücksitzbank, für uns keine erfreuliche Aussicht auf die bevorstehenden 800 km. Das war nicht optimal, aber für uns kein Grund zur Beschwerde. Allerdings fiel uns bereits auf den ersten Kilometern auf, dass unser 29-jähriger Fahrer im Straßenverkehr Hanois sehr aggressiv unterwegs war und andere Verkehrsteilnehmer, die ihm im Weg waren, mit Hupe, Lichthupe und extrem dichtem Auffahren drangsalierte, bevor er sie waghalsig überholte. Auf der Autobahn setzte sich das fort, nun aber ergänzt mit ständigen abrupten Spurwechseln zwischen allen drei Spuren.

Nach 130 Kilometern erreichten wir das Bergland, wo unsere Reise nun durch waghalsige Überholmanöver auf kurvenreicher und unübersichtlicher Strecke noch bedeutend gefährlicher wurde. Mehrmals mussten Überholmanöver durch Vollbremsungen abgebrochen werden, weil plötzlich Gegenverkehr vor uns auftauchte oder es reichte gerade noch zum Einscheren nach dem Überholen, aber nur weil der Gegenverkehr bremste, um einen Unfall zu vermeiden.

Wir fürchteten mittlerweile um unser Leben und baten Fahrer und Tour Guide um eine langsamere Fahrweise sowie um Unterlassung dieser gefährlichen Überholmanöver. Der Fahrer war wegen unserer Bitte sichtlich verärgert, schimpfte auf Vietnamesisch vor sich hin. Der Tour Guide meinte, wir sollten uns einfach entspannen, die Augen schließen und etwas schlafen.

Nun schaltete der Fahrer in eine Art Unbequemlichkeitsmodus, indem er das Tempo auf geraden Straßenabschnitten auf 20-30 km/h reduzierte und das Lenkrad grundlos im Wechsel immer wieder ruckartig nach rechts und links riss, sodass wir auf der Rücksitzbank permanent hin und her geschleudert wurden. Sobald dann wieder eine Kurve kam, gab er plötzlich Vollgas und ließ das Auto mit quietschenden Reifen um die Biegung driften, gefolgt von einer Vollbremsung, um so auf der geraden Strecke wieder zur Schleichfahrt zurückzukehren und permanent am Lenkrad zu reißen. So ging das über drei Stunden, bis wir am Ende unserer Kräfte endlich unser erstes Homestay Übernachtungsziel in einem kleinen Dorf, 50 km westlich der Ban Gioc Wasserfälle, erreichten. Der Aufenthalt dort war sehr schön, unsere Gastgeber äußerst freundlich und fürsorglich.

Am Abend in entspannter Atmosphäre suchten wir nochmals das Gespräch mit Tour Guide und Fahrer. Wir sagten, dass wir die Fahrt in ständiger Angst, teilweise sogar in Todesangst erleben und wir sie deshalb bitten möchten, die weitere Fahrt für uns sicher und komfortabel zu gestalten. Der Fahrer entschuldigte sich für die uns bereiteten Unannehmlichkeiten und versprach Besserung.

Über Nacht hatte es stark geregnet, sodass Straßen und Dörfer am nächsten Morgen bis zu 40 cm hoch überflutet waren. Wir fuhren los zu den Ban Gioc Wasserfällen und in der Tat konnten wir nun erstmals eine halbwegs sichere und angenehme Fahrt genießen, was wohl weniger einer Einsicht, als vielmehr den überfluteten Straßenverhältnissen zu verdanken war, denn auf der den Ban Gioc Wasserfällen folgenden Fahrt zum Ba Be See bei mittlerweile besseren Straßenverhältnissen hatten wir wieder dasselbe Problem.

 

Beim nächsten Toilettenstopp verweigerten wir die Weiterfahrt und sagten, dass wir mit diesem Fahrer keinen Meter mehr fahren werden.

Unser Tour Guide räumte ein, dass er uns verstehe und versuchen würde, eine Lösung zu finden. Nach einem Telefonat erklärte er jedoch, dass er da nichts machen könne. Er selbst habe keinen Führerschein und könne deshalb nicht fahren. Ich fragte ihn, ob ich dann fahren müsse? Ja, sagte er, das wäre doch eine Lösung. Er redete auf den Fahrer ein, bis auch der nach einigem Gezeter zustimmte. Entschuldigend sagte der Fahrer, dass er zwar seit acht Jahren den Führerschein habe, aber noch nie zuvor im Bergland fuhr. Bisher sei er nur die flache Autobahnstrecke von Hanoi nach Halong gefahren. Das war eine weitere Bestätigung für die Richtigkeit unsere Verweigerungshaltung. Glücklicherweise hatte ich meinen nationalen und auch den internationalen Führerschein dabei. So setzte ich mich hinters Steuer, neben mir meine Frau und auf der Rücksitzbank Fahrer und Tour Guide, die die restlichen 150 Kilometer zum Ba Be See sichtlich entspannt genossen und die meiste Zeit schliefen. So hatte ich mir das zwar nicht vorgestellt, aber es war allemal besser, als diesem lebensgefährlichen Fahrer weiterhin hilflos ausgeliefert zu sein.

Auch am nächsten und damit letzten Tag unserer Tour setzte ich mich wieder ans Steuer für den finalen Abschnitt zurück nach Hanoi. Als wir das Bergland verließen, wollte der Fahrer jedoch unbedingt wieder selbst fahren. Nach Abwägung der Risiken seines uns bereits bekannten Autobahnfahrstils und gutem Zureden des Tour Guides stimmten wir schließlich zu. Doch es hatte sich nichts verbessert. Die aggressive und gefährliche Fahrweise gipfelte schließlich darin, dass der Fahrer am Mobiltelefon hantierend einen Stau vor uns erst nach Aufschrei meiner Frau bemerkte und wir nach einer Vollbremsung nur wenige Zentimeter hinter dem Lastwagen am Stauende zum Stillstand kamen.

Wir waren nun völlig fertig mit den Nerven und wollten nur noch ins Hotel. Die restliche Autobahnfahrt wie gewohnt, Drängeln, Nötigen, Hupen, abrupte Spurwechsel. Endlich erreichten wir an die Stadtgrenze Hanois, doch auch die letzten 20 Kilometer zum Hotel durch den abendlichen Berufsverkehr war eine einzige Torturn noch dazu in strömendem Regen.

Unsere Tour wäre eigentlich ein fantastisches Erlebnis gewesen in nahezu unberührten Naturlandschaften, doch dieser schreckliche Fahrer hat uns nicht nur das, sondern unseren ganzen Urlaub und die Erinnerungen daran verdorben. Wir haben schon viele Touren in Südostasien bei Tour Anbietern unternommen, aber diese Tour bei Hanoi Transfer Service war die schlimmste und gefährlichste Tour, die wir je erlebt haben.