Reise in Kanada - Vancouver Island (3)
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Wir fuhren von der kleinen Mall in Horseshoe Bay zur Anlegestelle für die Fähre. Es war wirklich eine gute Idee, dass wir eine Reservierung für die Fähre vorgenommen hatten. Denn es warteten schon sehr viele Autos, und wer weiss, ob wir noch mitgekommen wären oder stundenlang hätten warten müssen.

So wurden wir eingewiesen in Reihe 1 und war auch dort die ersten. Die Bezahlung der Überfahrt erledigt man quasi "im Vorbeifahren" an einer Kasse.

Das Ent- und Beladen der Fähre war gut organisiert, und so fuhr die "Queen of Cowichan" auch pünktlich um 12.50 Uhr ab.

Die Fahrt ging von Horseshoe Bay durch die "Strait of Georgia" nach Departure Bay in NANAIMO.

Es war wunderschönes Wetter, sehr sonnig, so dass man sich während der ganzen Überfahrt an Deck aufhalten konnte. Ich lernte einige Leute aus Nanaimo kennen, die am Vorabend auf dem Festland ein Country-Musik-Festival besucht hatten. Die Fahrt dauerte ca. 1,5 Stunden und verging durch die anregende Unterhaltung mit den "locals" sehr schnell.

Als Nanaimo - Departure Bay - in Sicht kam, mussten wir dann bald mal ins Auto steigen, da wir mit zu den ersten gehörten, die die Fähre verlassen konnten.

Nanaimo ist einer der grössten Orte auf Vancouver Island mit ca. 80.000 Einwohnern. Auf der Küstenstrasse Richtung Norden war recht viel Verkehr, wir kamen an zahlreichen Malls vorbei.

Leider konnten wir uns aus Zeitgründen den Ort nicht näher anschauen, denn Port Alberni ist doch noch ca. 100 km entfernt.

PORT ALBERNI hat ca. 18.000 Einwohner und liegt - umrahmt von Bergen - an dem mit 50 km längsten Meeresarm von Vancouver Island. Hier lebt man vorwiegend von Holzverarbeitung und Fischfang, und es gibt einen Tiefseehafen.

Unser Hotel liegt etwas ausserhalb des Zentrums, dafür gab es genügend Parkplätze. Wir wollten noch etwas vom Ort sehen. Aber im Hotel sagte man uns, dass im Zentrum die Geschäfte geschlossen seien - es war ja Sonntag.

Aber man empfahl uns, zum Harbour Quay zu fahren, dort gibt es einige Geschäfte und Restaurants. Man kann hier Boote mieten oder eine Chartertour zum Fischen buchen. In den Gewässern um Port Alberni gibt es vor allem Lachs und Heilbutt.

Am Harbour Quay wurde ein schöner Pier angelegt, wo man direkt am Wasser spazieren kann. Auffällig sind einige riesengrosse Schnitzereien der First Nations.

Samstags findet hier ein Farmer's Market statt.

Direkt am Wasser gelegen mit schöner Sicht auf die Bucht fanden wir dann ein nettes Restaurant, wo man in einem Patio zum Essen draussen sitzen konnte.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Tofino. Auf den engen Strassen und dann noch mit zwei ellenlangen Baustellen brauchten wir ganz schön lange für die Fahrt.

TOFINO - inmitten des Clayoquat Sound gelegen - wird als "Perle der kanadischen Westküste" bezeichnet. Der Ort hat ca. 2000 Einwohner, aber vor allem im Sommer kommen bis zu 1 Mio. Besucher pro Jahr.

Unser Hotel befindet sich am Anfang des Ortes, und wir erhielten wunschgemäss ein Zimmer im oberen Stockwerk mit einer phantastischen Sicht auf den Sound, die Berge und den kleinen Hafen.

Der Clayoquot Sound ist UNESCO Biosphärenreservat. Man kann hier angeln, Kajakfahren, Wale, Bären und Vögel beobachten, ausserdem Wanderungen mit den First Nations unternehmen oder einen Rundflug mit einem Wasserflugzeug machen.

Und genau dieses hatte ich mir schon zuhause vorgenommen, und so buchten wir bereits am nächsten Tag so einen Flug.

Im Winter kommen Leute hierher, um die Winterstürme zu beobachten. Von November bis Februar gibt es 10-15 Stürme und auch dementsprechende Niederschläge.

Die langen ausgedehnten Strände laden zum Spaziergang ein, und man kann die Surfer und Bodyboarder beoachten.

Tofino ist das kanadische Surf-Mekka, aber das Wasser ist so kalt, dass man auch im Sommer Neoprenanzüge braucht.

An den endlosen Stränden liegen Treibholz und viele Muscheln. Vor allem im Frühjahr kann man hier Wale beobachten. Und bei schönem Wetter warten viele Leute auf den spektakulären Sonnenuntergang.

Die Strände bei Tofino liegen nicht direkt im Ort, so dass man sie mit dem Auto anfahren sollte, wenn man noch ein Picknick und Strandsachen dabei hat. Im Hotel empfahl man uns den North Chesterman Beach, einen der populärsten Strände.

Es war warm genug zum Sonnen, aber das Wasser war erwartungsgemäss sehr kalt, so dass wir quasi "nur den grossen Zeh reinsteckten".…

Diesen Strand kann man auch zu Fuss oder mit dem Fahrrad über einen Wanderweg erreichen. Beliebt sind hier Surfen und Kitesurfen und an Land das Bocciaspiel.

Die Leute kommen aber auch gegen Abend, um den Sonnenuntergang zu geniessen.

Für Bärenbeobachtungen gibt es einige Anbieter. Wir entschlossen uns, diese Tour mit einem Angehörigen der First Nations zu unternehmen.

So fanden wir den Weg zu James und seiner Mutter und buchten dort die ca. 2,5stündige Tour. Die First Nations haben zwar ihre Geschäfte auf dem "Festland" in Tofino, wohnen aber noch meistens auf Opitsat, einer First Nation Community, die seit 5000 Jahren besteht. Von dort erreicht man das Festland mit Booten oder dem Wasserflugzeug.

Der Vorteil dieser Tour war, dass James die Tour mit einem kleineren Motorboot machte, wo nur 8 Leute Platz finden. Das Boot wird angetrieben von zwei 75 PS Motoren, so dass wir - mit 25 Knoten - in ca. 20 Minuten die Küsten des Clayoquot Sounds erreichten, wo sich die Schwarzbären aufhalten. Und wir hatten schon beim ersten Anlauf das Glück, Schwarzbären zu sehen.

Ausser uns waren noch einige andere kleinere Motorboote unterwegs. Und da diese Anbieter nicht nur Konkurrenten sondern oftmals auch Freunde sind, verständigt man sich über Funk, wenn man irgendwo die Bären entdeckt hatte. Aber es hielten sich alle an die "Spielregeln", nicht zu nahe an die Bären heranzufahren. Als wir genug fotografiert hatten, ging es weiter zu einer anderen Stelle.

Die Schwarzbären streifen an den Küsten des Clayoquot Sounds vor allem in geschützten Buchten und an den Meeresarmen herum, um Schalentiere zu suchen.

Sie erwachen Mitte/Ende April aus ihrem Winterschlaf und kommen dann aus dem Regenwald an die Küsten, so dass man sie bis Anfang/Mitte Oktober gut beobachten kann.

Die Bären kommen bei Ebbe an die Küste um Nahrung zu suchen, vor allem knackige Krebse, Muscheln und Krabben. Dabei rollen und bewegen sie mit ihren Pfoten auch grössere Steine, um diese Tiere zu finden.

Bei der Beobachtung werden die Motoren der Boote abgestellt, um die Bären möglichst wenig bei der Nahrungssuche zu stören. Da die Bären nicht gefüttert werden dürfen, kann man ihr natürliches Verhalten bei der Suche beobachten.

Es war interesssant zu beobachten, dass sich die "alten" Bären quasi überhaupt nicht stören liessen, während die Jungen doch teilweise schnell in den schützenden Wald zurückliefen.

Auf der Rückfahrt nach Tofino sahen wir noch Robben auf den Felsen. Und auch hier galt - nicht so nahe heranfahren.

Und James hatte noch eine Überraschung für uns parat. Er fuhr in Richtung offenes Meer, weil sich gegen Abend dort manchmal Wale zeigen. Und wir hatten auch wirklich das Glück, einen Grauwal zu beobachten.

Wir alle bedankten uns bei James, und das Trinkgeld wurde noch etwas grosszügiger…

Wir konnten es kaum erwarten, zu unserem RUNDFLUG mit dem WASSERFLUGZEUG zu starten. "Unser" Pilot erwartete uns schon am Flugzeug, wir zogen Schwimmwesten an, und er informierte uns noch, wie wir uns bei einer Notlandung bzw. Notwasserung verhalten sollten.

Nachdem wir uns angeschnallt hatten, setzten wir - wie der Pilot - Kopfhörer auf, damit wir uns untereinander verständigen konnten.

Und wow! schon ging es los, das Flugzeug kam sehr schnell aus dem Wasser, schwebte dann zunächst über dem Wasser, bevor es höher stieg.

Wir flogen zunächst südlich über den Clayoquot Sound bis zum Eingang des Templer Channels. Dort liegt Lennard Island mit dem auf dem höchsten Punkt der Insel - 35 feet über Hochwassermarkierung - errichteten Leuchtturm. Der Turm besteht aus Holz und ist weiss angestrichen, die Laterne besteht aus Metall und ist rot angestrichen. Neben dem Turm befinden sich noch das Haus des Leuchtturmwärters sowie Aussengebäude.

Dann ging es in Richtung Süden mit dem wunderschönen Blick auf die Inselwelt vor Tofino.

Wir fragten unseren Piloten, ob man auch Wale von oben sehen könnte. Daraufhin flog er in eine Bucht, wo wir von hoch oben einen Grauwal in seiner ganzen Länge bewundern konnten.

Und weiter ging es in die nächste Bucht mit einem schönen Sandstrand, den man aber nur mit dem Boot erreichen kann.In einer runden Bucht war das Wasser recht ruhig, aber am Eingang tobten die Wellen gegen die Felsen.

Man wusste gar nicht, wohin man schauen sollte bei den vielen schönen Ausblicken.

Aufder einen Seite glitzerte immer noch das Meer im Sonnenschein, auf der anderen Seite zogen langsam Wolken auf.

Auf dem Rückweg nach Tofino sahen wir von oben Muschelbänke.

Zum Abschluss hatten wir noch einen wunderschönen Blick auf Tofino. Man konnte von oben sehen, was für eine tolle Lage dieser Ort hat.

Und ganz langsam schwebten wir niedriger auf die Wasseroberfläche zu. Die Landung gelang sicher, aber es war ein wenig holprig auf dem Wasser.

Leider war der Flug viel zu schnell zu Ende. Es war so ein einmaliges Erlebnis, dass wir bei nächster Gelegenheit das gerne nochmals unternehmen würden - am liebsten den ganzen Tag…

Der bekannteste Strand zwischen Tofino und Ucluelet ist der Long Beach. Der Strand ist mit 10 km der längste an der Westküste von Vancouver Island.

Den weichen Sand bevorzugen diejenigen, die sich nur sonnen wollen. Der harte Sand - näher am Wasser - ist gut geeignet zum Walken und Joggen.

Bei Ebbe sind einige kleine Inseln - die wir im Nebel gerade noch so ausmachen konnten - zu Fuss erreichbar.

Der Strand befindet sich im Pacific Rim Nationalpark, und der Parkplatz ist gebührenpflichtig.

Leider hatten wir heute richtig Pech mit dem Wetter, die ganze Küste war in Nebel getaucht, wie man es auch an der Küste von Oregon und Kalifornien immer wieder erleben kann. Selbst die Surfer, die diesen populären Strand nutzen, blieben heute aus.

Einige Leute kommen auch bei Sturm hierher, um die Riesenwellen zu beobachten.

Leider gingen die schönen Tage in Tofino viel zu schnell vorbei - wir wären gerne noch länger geblieben..

Von Tofino aus ging es zunächst zurück bis Nanaimo. Es gab immer noch eine Baustelle, bei der wir 20 Minuten warten mussten. Auf der Fahrt nach VICTORIA hatten wir recht viel Verkehr.

Vom Hotel aus war es nicht weit zum Inner Harbour, und was uns - nicht nur in Victoria - auffiel, war der wunderschöne Blumenschmuck in der ganzen Stadt.

Victoria liegt am südlichen Zipfel von Vancouver Island und hat immer noch viel britische Tradition. Im Stadtgebiet leben ca. 80.000 Menschen, im Grossraum Victoria sind es rund 370.000.

Das Parlamentsgebäude ist ein massiver Steinbau im Neo-Barock-Stil, erbaut im Jahre 1898. An der Südseite des Inner Harbour gelegen ist es mit einer vergoldeten George Vancouver Statue auf der Kuppel ein Blickfang. Der Inner Harbour ist das Herz der Stadt. Im anschliessenden historischen Viertel findet man Boutiquen, Kaufhäuser, Galerien und viele Restaurants.

Von der mit Blumen geschmückten Uferpromenade am Inner Harbour sieht man vor allem viele Segelboote.

In der Nähe von unserer Unterkunft sahen wir das im viktorinaischen Stil erbáute Boutiquehotel Gatsby Mansion - über 100 Jahre alt und heute ein B&B.

Den Scenic Marine Drive kann man mit dem Auto abfahren. Aber da es so schönes Wetter war, wollten wir lieber ein Stück am Drive entlang zu Fuss gehen.

So kann man doch einiges mehr sehen - z.b. das Landen eines Wasserflugzeugs am Inner Harbour oder die kanadischen Wildgänse am Laurel Point.

Schon von weitem sieht man Fisherman's Wharf mit den pittoresken Hausbooten und auch Fischerbooten sowie Yachten. Die Leute leben auf den Hausbooten und haben teilweise kleine Läden, auf Holzstegen kann man sich ein bisschen umsehen. In Fischbuden wird frischer Fisch angeboten.

Einige Seehunde spielten im Wasser und hofften auf eine Fütterung von den Besuchern.

In der Nähe sieht man einen kleinen Yachthafen. Immer am Wasser entlang läuft man in Richtung Ogden Point. Hier befindet sich auch der Cruiser Terminal. Der Hafen von Victoria wird von den meisten Kreuzfahrtschiffen in ganz Kanada angelaufen.

Der Pier "Breakwater walk" am Ogden Point wurde zwischen 1914-18 erbaut zum Schutz des Hafens und ist 850 m lang. Im Wasser waren erstaunlich viele Seegurken zu sehen.

Auf der anderen Seite sah man einen Hafen für kleinere Schiffe und im Hintergrund das grosse Kreuzfahrtschiff.

Am Ende des Piers steht ein Leuchtturm, und dort sahen wir auch zwei Taucher - natürlich im Neoprenanzug bei dem kalten Wasser. Die Piermauer heisst "Unity Wall" und ist verziert mit farbenfrohen Bildern.

Im Thunderbird Park kann man Totempfähle anschauen, die an der Nordwestküste Kanadas entstanden sind. Das Helmcken House - 1852 erbaut - steht immer noch am Originalstandort . In diesem Haus praktizierte Dr. Helmcken, und man kann die Furcht einflössenden chirurgischen Instrumente der damaligen Zeit anschauen.

Direkt hinter dem Inner Harbour gelegen ist das Fairmont Empress Hotel ein Blickfang. Das Nobelhotel wurde 1908 errichtet.

Das Innere des Hotels - "very british" - ist sehenswert. Der Afternoon Tea wurde hier auch schon von Winston Churchill und König George VI eingenommen.

Das eher kleine "Chinatown" ist das älteste chinesische Viertel in Kanada. Im Jahre 1911 wohnten hier 3500 Menschen, die vorwiegend im Eisenbahnbau und in den Kohleminen und Goldbergwerken arbeiteten. In früheren Zeiten gab es in diesem Viertel Opiumhöhlen und Spielhallen. Heute befinden sich hier asiatische Läden, Märkte und Imbisse.

Wie überall im Westen Kanadas sieht man auch in Victoria Wasserflugzeuge, die vom Inner Harbour starten und landen. Sie sind ein beliebtes - wenn auch teures – Verkehrsmittel.

Als wir beim Nachtessen in einem bekannten Restaurant waren, sahen wir zwei "Mounties" und dachten zuerst, dass sie eine Art Attraktion für das Restaurant sind. Dieses wiesen die beiden aber bei einem Gespräch energisch zurück, sie seien "echt" und schon lange im Dienst.

Auf dem Weg zurück ins Hotel kamen wir dann wieder am Parlamentsgebäude vorbei, das uns mit der nachts sehr wirkungsvoll beleuchteten Fassade stark beeindruckte.

Angeblich ist ja gerade Victoria vom Wetter sehr verwöhnt, und wird von dem in Vancouver Island an der Westküste häufigen Regenfällen verschont.

Leider mussten wir an unserem Abreisetag andere Erfahrungen machen - es regnete nicht nur - es schüttete wie aus Eimern. So fiel auch der Besuch von Butchard Gardens - nicht weit vor der Anlegestelle gelegen - buchstäblich ins Wasser…

Wie schon bei der Hinfahrt hatten wir auch jetzt eine Reservierung für die Fähre vorgenommen, mussten wiederum die Überfahrt an der Kasse im Vorbeifahren bezahlen und kamen so recht schnell auf das Schiff.

Diesmal ging es von SWARTZ BAY mit der "Spirit of Vancouver Island" nach Tsawwassen. Auf dieser Fähre haben ca. 2100 Personen Platz, sie erschien uns auch riesengross.

Zum Glück wurde das Wetter etwas besser, d.h. es hörte auf zu regnen. Und so konnten wir doch noch auf Deck gehen, um etwas von der schönen Inselwelt zwischen Vancouver Island und dem Festland zu sehen.

Wir kamen pünktlich an in TSAWWASSEN, schalteten das Navi ein und fuhren nach Vancouver.