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Weihnachten im Kohlenpott

Da ich seit Jahren im Ruhrgebiet, auch scherzhaft "Kohlenpott" genannt wohne schreib ich Euch einfach einmal wie hier meistens Weihnachten gefeiert wird.

Es geht nicht sehr spektakulär zu, auch gibt es keinen besonders hervorzuhebenden Brauch, wir sind ein Schmelztiegel vieler Nationalitäten und deshalb findet man wahrscheinlich Einflüsse aus mehreren Ländern.

Die Weihnachtszeit wird schon Wochen vorher eingeläutet, mit den vielen Weihnachtsmärkten und Basaren.

Besonders schön sind die Bauernmärkte auf Bauernhöfen oder in kleinen Orten in den Randgebieten des Ruhrgebiets.Dort versucht man ein wenig den üblichen Händlerkitsch fernzuhalten und setzt auf Landprodukte, Handarbeiten und traditionelle Handwerksarbeiten.

Zu essen gibt es Hausmannskost aber etwas feinerer Art, z.B. Wildprodukte aller Art.

Überall gibt es auch Nikolaus-und Weihnachtsfeiern, jeder Verein und viele Betriebe lassen es sich nicht nehmen eine solche Feier anzubieten.

Die meisten Leute haben die Wohnung und oft auch die Häuser geschmückt, z.B. mit Tannenzweigen, Lichterketten und einem Adventskranz.

An Heiligabend wird dann morgens (oder am Vorabend) der Baum geschmückt, meistens vom "Herrn des Hauses", oft begleitet von einem Gläschen Hochprozentigem:-) Dieser Raum ist dann bis zum Abend für die Kinder, so vorhanden, tabu.

Die Hausfrau macht die letzten Erledigungen und die Kinder basteln, sehen fern, helfen beim Backen oder quengeln ganz einfach.

Am Nachmittag wird es in vielen Familien ruhiger, man bereitet noch Mahlzeiten vor oder wenn man viel Zeit hat, setzt sich zum Kaffeetrinken zusammen.

Solange die Kinder klein sind und man religiös ist besucht man vielleicht eine Kinderchristmette, extra verständlich gehalten für die Kleinen.

Wenn es endlich dunkel wird findet entweder erst die Bescherung statt oder man setzt sich zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Da gibt es viele Familientraditionen, früher aß man oft Kartoffelsalat mit Würstchen oder einen speziellen Heringssalat, Aal, Karpfen, Lachs usw.

Heute wird oft Fondue (Käse oder Fleisch) oder Raclette gegessen, das macht vorher nicht viel Arbeit und man sitzt gemütlich zusammen.

Dann klingelt ein Glöckchen und die Bescherung beginnt.

Die Lichter am Baum brennen, in manchen Familien wird gesungen, musiziert oder aus der Bibel gelesen.

Die Geschenke liegen im Allgemeinen unter dem Baum.

Um Mitternacht werden in vielen Gemeinden Mitternachtsmetten gelesen, auch ökumenische.

Viele Jugendliche treffen sich am späten Abend noch mit Freunden in bestimmten, gerade angesagten Lokalen.

An den beiden Feiertagen gibt es meist einen Festtagsschmaus, z.B. Gans, Ente, Pute, Sauerbraten, oder einfach ein leckeres Steak.

Nachmittags gibts Kaffee und Kuchen, Torten und Stollen und abends ist man oft schon/noch satt:-)

Einen Feiertag verbringt man gern mit der Familie, am anderen Tag geht man spazieren, ruht sich aus oder trifft sich mit Freunden.

Natürlich gibt es viele andere Beispiele bei uns Weihnachten zu feiern aber wenn ich mich so umschaue, sieht es doch bei den meisten Menschen ähnlich wie beschrieben aus.

Besonders erwähnenswert ist vielleicht noch, dass seit einigen Jahren in vielen Ruhrgebietsstädten an Heiligabend eine Feier für Obdachlose, Einsame und Bedürftige stattfindet und die Besucherzahl steigt stetig.