Uns ist aufgefallen, dass Sie einen Browser benutzen, der von unserem System nicht unterstutzt wird. Die TripAdvisor Seite kann daher nicht korrekt dargestellt werden.
Wir unterstutzen die folgenden Browser:
Windows: Internet Explorer, Mozilla Firefox, Google Chrome. Mac: Safari.

Indien im Sommer 2008 - Teil 2

Magdebug/Germany
Beiträge: 76
Bewertungen: 43
Indien im Sommer 2008 - Teil 2

Wir kamen also müde in Agra, im dortigen Trident Hilton Hotel an. Das Personal war sehr nett. Wir mussten die Nacht, die wir gebucht aber nicht im Hotel verbracht hatten, nicht zahlen und bekamen auch sofort ein Zimmer, sodass wir bis zum Mittag schlafen konnten. Dann fuhren wir mit dem Bus nach Fatehpur Sikri (ca. 90 min. Fahrzeit), nicht unbedingt bequem aber kostengünstig. Wir besuchten zuerst die Moschee und gleich fand sich ein Führer, den wir eigentlich nicht wollten, aber da er deutsch sprach, hörten wir ihm zu. Am beeindruckendsten waren die filigranen Steinmetzarbeiten am Marmormausoleum. Erwartungsvoll sahen wir dem Moment entgegen, wo unser Führer nach unzähligen Beteuerungen seiner Gratistätgkeit nun doch ein Backschisch wollte. Er führte uns zu einem Torbogen, wo Mitglieder seiner Familie Marmorelephanten verkauften. Als wir ihm klarmachten, dass wir keinen Elephanten wollten, erzählte er von der Schule, die hier stationiert sei und das Steinmetzhandwerk unterrichtete und eine Spende brauche. Da er uns gut informiert hatte, kauften wir seinem Bruder ein Heftchen Ansichtskarten ab und gaben im 50 Rs. für die 20 min. Erklärung. Das hielt er für zu wenig. Erst als er begriff, dass wir keine Lust auf Diskussionen über die Summe hatten, nahm er das Geld und verschwand. Wir holten unsere Schuhe vom Eingangstor und trugen sie zum östlichen Tor um den Hof der Moschee durch dieses in Richtung Palast zu verlassen. Nach dessen Besichtigung ging es per Bus zurück nach Agra. Am nächsten Tag besuchten wir als absolutes Highlight morgens das Taj Mahal (übrigens frisch renoviert und super schöööön). Am Nachmittag ging es dann weiter zum Fort von Agra. Vor beiden wie fast allen anderen Sehenswürdigkeiten gibt es intensive Kontrollen - Abtasten der Kleidung, Auspacken des Rucksacks, z. T. muss dieser auch abgegeben werden. Um 18.50 Uhr sollte unser Zug nach Jaipur dann fahren. Wir hatten im Hotel einen späten Check out gebucht, sodass wir die Sachen dort lassen konnten. Von den Ansichtskarten, die ich geschrieben, frankiert und an der Rezeption des Hotels abgegeben habe, kam übrigens keine beim Empfänger an. Wenn man rechtzeitig die Angebote für Hotels prüft, findet man immermal wieder Schnäppchen, die auch sehr gute Hotels erschwinglich machen.

Unser Zug hatte wie fast immer (außer Shatabi) Verspätung. Da wir von zu Hause gebucht hatten, war trotz vollen Bahnsteigs der Platz kein Problem. Wir sind entweder Sleeper-2AC oder Sitzplatz AC Chair gefahren. Beides ist sehr akzeptabel. Nach Mitternacht trafen wir dann in Jaipur ein, per Taxi ging es zu unserem Hotel "Samode Haveli"- sehr schön, ein traditionelles indisches Herrenhaus . Am nächsten Morgen starteten wir zum Amber Fort, wie gewohnt per Bus. Das Fort ist eine riesige Anlage. Überall laufen Renovierungsarbeiten, z.T. mit primitivsten Mitteln. So wird der Fußboden z.B. mit dem Hammer aufgeklopft von Frauen. Erst wenn man zum Jaigarh Fort aufsteigt, kann man die ganze Ausdehnung des Forts abschätzen. Das Fort ermöglicht tolle Ausblicke in die Umgebung. Dafür wird neben dem Eintritt auch noch eine Fotogebühr fällig. Damit ist der Gesamtpreis nach meiner Meinung zu hoch, also von draußen fotografieren und Fotoapparat in den Rucksack.

Am zweiten Tag besuchten wir den wunderschön restaurierten Palast der Winde. Anschließend sahen wir bei einer festlichen Prozession zu und gingen zum City Palace. Der Besitzer ist ein fortschrittlicher Mann. So bekommt man einen Audioguide, der den Palast in der gewünschten Sprache erklärt. Außerdem gehört ein sehr schöner Handwerksladen zum Palast. Hier kann man auch den Handwerkern bei der Arbeit zusehen.

Jaipur wird wegen der rosafarbenen Häuser auch als Pink-City bezeichnet. Allerdings scheint an vielen Häusern die rosane Farbe, die 1876 zur Begrüßung von Prinz Albert aufgetragen wurde, seitdem nicht erneuert worden zu sein. Dadurch ist ein verwaschenes, schmuddeliges Altrosa geblieben. Bemerkenswert sind noch die sehr schönen Stadttore.

Am Abend ging es dann per Zug weiter nach Jodhpur. Übrigens Städte, deren Name auf –pur endet, sind hinduistische Stadtgründungen, endet des Stadtname auf –bad handelt es sich um eine islamische Stadtgründung. Jodhpur wird auch als blaue Stadt bezeichnet. Blau war als Anstrichfarbe den Häusern der Brahmanen vorbehalten. Davon gab es offensichtlich in Jodhpur sehr viele. Die Stadt wird vom mächtigen Meherangarh Fort überragt. Unsere Unterkunft für die beiden Tage war das Ratan Vilas – sehr empfehlenswert, schönes Haus und sehr hilfreiches, freundliches Personal. Auch die vereinbarte Abholung klappte problemlos. Sich abholen zu lassen, ist sehr empfehlenswert, wenn man nachts ankommt. Man entgeht so aufdringlichen Rikscha- und Taxifahrern sowie den Vermittlern, die das beste Hotel kennen.

Obwohl wir zur Sommermonsunzeit reisten, erlebten wir mit Ausnahme von Mussorie nur kurze Regengüsse. Aber in Jodhpur hatte es vor unserer Ankunft ausgiebig geregnet. So fuhren wir zum Teil durch beängstigende Wasserlöcher, weil die Strasse abgesoffen war. Unser Hotel lag ruhig etwas am Rande in einem Garten. Vor dem Garten warteten immer Motorrikschas und das Hotelpersonal gab Hinweise zu den Beträgen, die für die unterschiedlichen Touren zu zahlen waren. Wir besuchten das Fort und hatten einen tollen Blick über die Stadt und zum Umaid Bhawan Palace. Das ist der neue komfortable Sitz des Maharajas. Er ließ ihn in den 1920er Jahren als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bauen. Im Palast befindet sich ein Hotel und ein Museum. Nach dem Fort besuchten wir den Sardar-Markt am Uhrenturm und kauften Tee und Gewürze.

Von Jodhpur flogen wir zu unserer vorletzten Station nach Mumbai. Die Taxifahrt vom Flugplatz zu unserem Hotel auf der Halbinsel Colaba (Taj President) endete bereits nach einem Drittel der Strecke, Taxi defekt. Unser Fahrer besorgte einen Kollegen, sagte ihm und uns, welche Summe, wir zu zahlen hätten und weiter ging es zum Hotel. Bei der Ankunft hatte der Fahrer die finanzielle Vereinbarung vergessen und forderte erheblich mehr. Die Diskussion wurde durch einen Angestellten am Hotelempfang in unserem Sinn beendet. Die Orientierung in Mumbai bereitete uns zunächst Schwierigkeiten, da unser Hotel auf der Karte des Reiseführers (Reise Know How) falsch eingezeichnet war. Mumbai ist die „westlichste“ der indischen Städte, die wir gesehen haben. Hier sieht man auch viele westlich gekleidete junge Frauen im Straßenbild. Zugleich wird hier auch das koloniale Erbe sehr deutlich (Gateway of India, Victoria Station, Prince of Wales Museum, High Court). Außerdem ist hier ähnlich wie in Delhi die unmittelbare Nachbarschaft von modernen luxuriösen Gebäuden und Slums schockierend. 5 Minuten zu Fuß von unserem Hotel befanden sich am Straßenrand Unterkünfte, für die das Wort Hütte schon eine Übertreibung wäre. Nach dem Besuch der oben bereits erwähnten Sehenswürdigkeiten überzeugte ich meinen Mann zu einem Kinobesuch- in Mumbai ist ein Bollywood-Film wohl Pflicht. Der nächste mögliche Film lief allerdings in Hindi. Wir waren die Exoten im Kino. Sprachkenntnisse sind bei diesen Filmen völlig überflüssig. Die Handlung ist die typisch O-Bein-Geschichte, wie man sie aus Groschenromanen kennt. Verfolgungsjagden und vor allem Tanzszenen sind wichtig. Wenn 15 Minuten keine Tanzszene war dann wird es aber höchste Zeit. Der Film hat eine Pause. Diese dient dem indischen Publikum zum Auffrischen der Knabber- und Getränkevorräte. Sagenhaft was während eines solchen Filmes verzehrt wird. Wir gingen auch zum Crawford Markt. Ich fand den Markt und die Markthallen runtergekommen und nervig, man konnte keine fünf Schritte gehen ohne von irgendeinem Händler intensivst belegt zu werden, also nix mit bummeln und gucken. Mit dem Boot fuhren wir zur Insel Elephanta. Die Bootsfahrt erlaubt den Blick vom Wasser auf Mumbai und war auch sonst ganz nett. Die Höhlen auf Elephanta lassen die Ausstattung der Höhlentempel nur noch erahnen. Da die Höhlen von den Portugiesen als Schießplatz genutzt worden, sind doch irreparable Schäden entstanden.

Auf zu unserer letzten Etappe nach Goa. Nach genauem Studium verschiedener Reiseführer hatten wir uns für das noch relativ wenig touristische Paolem im Süden Goas entschieden. Nach Ankunft am Flugplatz warteten wir auf unser Hoteltaxi. Niemand zu sehen – also überzeugte ich den Angestellten eines Reisebüros am Flugahafen, das Hotel anzurufen. Ergebnis: Unser Abholservice funktionierte dieses Mal nicht. Wir nahmen ein Taxi und erwischten einen jungen ganz schnellen Taxifahrer. Mir war schlecht vom dauernden Wechsel zwischen Rasen und Bremsen und so war ich froh, endlich angekommen zu sein im Hotel Oceanic. Im Hotel war man irgendwie nicht auf uns eingestellt, es gab auch nur noch ein weiteres Pärchen als Gäste. Ich hatte immer mit Engländern als Hotelbesitzern zu tun, die sahen wir nie. Vielleicht gab es einen Besitzwechsel. Unser Zimmer war mittelmäßig. Die Außenanlagen und der Pool machten eher eine verwahrlosten Eindruck. So gingen wir etwas essen und besichtigten den Ort. Gaststätten und Hotels, die für Europäer geeignet waren, waren dünn gesät. Dafür regnete es immerzu, mal stärker, mal schwächer. Eine stärkere Phase durften wir beim Ortsfriseur verbringen und ihm bei der Arbeit zusehen. Als wir ins Hotel kamen fiel Licht und damit auch die Klimaanlage andauernd aus. Am nächsten Morgen reichte das Wasser gerade für mich zum Duschen, dann war Schluss, kein Tröpfchen mehr. Fürs Zähneputzen verwendeten wir wie während des gesamten Aufenthaltes Mineralwasser aus Flaschen, das war also kein Problem, für die Toilettenspülung fingen wir im Eimer aus dem Bad Regenwasser auf – nur Waschen fiel für meinen Mann an diesem Tag aus. Frühstück gab es an einem kleinen flachen Tisch im Zimmer – wenig bequem, und das noch vier Tage... Nein danke, wir gingen ins Dorf suchten ein Internetcafè und informierten uns über freie Hotels in Goa, riefen das Taj Holiday Village in Fort Aguada an, reservierten ein Zimmer, gingen zurück zu unserem Hotel checkten aus und fuhren mit dem Taxi nach Fort Aguada. So hatten wir für unsere letzten Tage ein tolles Zimmer in einem Hotel direkt am Indischen Ozean, was einem zur Monsunzeit nicht sehr viel nutzt. Das Meer ist so aufbrausend, dass man nicht baden kann. Es war schon beeindruckend, wenn die wellen gegen die Fenster und über das Dach des am Strand liegenden Frühstücksrestaurant schlugen. Dies ließ sich Auch gut von den Befestigungsmauern des Forts beobachten. Ein weiterer Vorteil war die Nähe zu Goas Hauptstadt Panaji. Bei dem dauernden Regen konnten wir sie leicht per Bus erreichen, ein bisschen schoppen und die Sehenswürdigkeiten, z.B. Die Kirche unsere lieben Frauen besuchen oder von hier aus weiter nach Old Goa fahren. Das Weltkulturerbe Old Goa ist recht angegriffen und hat dadurch einen etwas morbiden Charme. Die Kirchen und Kathedralen bedürfen dringend der Renovierung, was aber wohl in einem Land mit so vielen anderen dringenden Problemen (Obdachlose, Arbeitslose, Müllproblem), indem das Christentum wenig Bedeutung hat, wohl sehr schwierig werden dürfte. Einen regenfreien Tag, an dem wir am Pool relaxen konnten, hatten wir auch. Ansonsten hat uns Goa einen Eindruck vermittelt was Monsun bedeutet: Wer den Schirm bei den ersten Tropfen noch nicht aufgespannt hat, der kann ihn auch gleich zu lassen, ist ohnehin nass. Am Meer, wo der Wind weht, hilft ein Schirm wegen des schrägen Regenfalls nichts, also mit Buggy zum Abendessen fahren, um leidlich trocken anzukommen.

Fazit nach etwas mehr als drei Wochen: Es war eine spannende interessante Reise, auf der wir viel Neues kennen gelernt haben, aber wer Urlaub und Erholung erwartet, für den ist solche Reise die falsche Wahl.

2 Antworten zu diesem Thema
Heidelberg
Beiträge: 99
Bewertungen: 2
1. AW: Indien im Sommer 2008 - Teil 2

Ich hatte den Teil 2 von deinem Reisebericht mit Spannung erwartet und bin in keinster Weise enttäuscht worden! Wirklich genial und unterhaltsam geschrieben. Ein sehr guter Einblick, was Reisen in Indien heißt.

Die Einschätzung "wer Urlaub und Erholung erwartet, für den ist solche Reise die falsche Wahl" habe ich schon öfters gehört. Trotzdem oder auch gerade deshalb bin ich immer noch an Indien interessiert. Eigentlich wollte ich schon dieses Jahr los, ist aber nichts draus geworden. Nun warte ich erst einmal ab, aber generell möchte ich schon noch dorthin reisen. Nächstes Jahr. Dann komme ich bei Fragen sicher auf dich zurück.

Erstmal noch ein liebes Dankeschön für den ausführlichen und super lesenswerten Bericht!

Quiby

Berlin, Germany
Beiträge: 64
Bewertungen: 11
2. AW: Indien im Sommer 2008 - Teil 2

Jetzt erst gelesen, daher die verspätete, aber deshalb nicht weniger dankbare Antwort: Sehr informativer und guter Beitrag, danke.

Antwort auf: Indien im Sommer 2008 - Teil 2
Ich möchte per E-Mail benachrichtigt werden, sobald eine Antwort erfolgt.