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Stromboli Besteigung mit BMI 33

Göttingen ...
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Stromboli Besteigung mit BMI 33

Ich bin 56, Nichtraucher, habe BMI 33 und treibe keinen Sport. Und ich hatte echt Angst vor der Besteigung des Stromboli – immerhin wird man dort gruppenweise in 2 ¼ Stunden hinauf und in 1 ½ Stunden wieder hinunter gescheucht. Dabei sind jeweils 900 Höhenmeter zu überwinden.

Ich habe wirklich tagelang gehadert, ob ich mir das antue und mich auch nach Alternativen erkundigt. So gibt es in 400 Metern Höhe ein Restaurant, das einen guten Blick auf die Eruptionen und die „Lavarutsche“ ins Meer bieten soll.

Schließlich habe ich beschlossen, es zu tun. Nicht etwa, es zu versuchen. Nein, ich war entschlossen es zu schaffen!

Anfang September starten die Gruppen etwa um 17:00, d. h. bei vollem Sonnenschein und um 30°C. Die ersten 400 Höhenmeter ist der Pfad von mannshohen Gestrüpp gesäumt – also ein bisschen schattig, dafür steht die Hitze dort. Oberhalb dieser Grenze wird’s luftiger, die Sonneneinstrahlung intensiver, aber recht bald liegt der weitere Aufstieg im Schatten des Vulkans. Oben ist´s dann frischer, vor allem, wenn es dämmert und dann auch schnell dunkel wird.

Dementsprechend habe ich meine Ausrüstung gewählt – minimalistisch, aber mit dem Notwendigen: geschlossene Wanderstiefel (sind vorgeschrieben - kann man dort mieten, aber in eigenen läuft sich´s besser), Kniestrümpfe (kann man runterkrempeln), knielange Trekkinghose (leichter Stoff, trocknet schnell), langärmliches Treckinghemd (bietet Sonnenschutz, kann hoch gekrempelt und aufgeknöpft werden). Statt Sonnenhut (den ich bei Sonnenschein unbedingt brauche), hab ich den von den Bergführern gestellten Schutzhelm von vorn herein getragen.

Ich habe mir vor Ort ein Paar Wanderstöcke gemietet, mit Handschlaufen! Die Handschlaufen habe ich (wie beim Nordic Walking) unter der Hand lang geführt. So konnte ich mich auch abstützen ohne den Griff zu umfassen, wenn die Hände schweißnass waren.

Die Länge der Wanderstöcke ist einstellbar. Für den Aufstieg hab ich mich an der Einstellung für Nordic Walking orientiert ( freizeitblog.com/2009/… ) und bin damit gut gefahren! Für den Abstieg dürfen´s auch 15 bis 20 cm mehr sein.

Ich hatte nur meinen normalen Rucksack mit, hätte mir aber einen kleineren gewünscht. Dort hinein hab ich gepackt: ein Hemd zum Wechseln nach dem Aufstieg (unbedingt!), eine leichte Sommerjacke, eine Stirnlampe (Taschenlampe ist vorgeschrieben, mit Stirnlampe sind beide Hände frei (Wanderstöcke!), auf volle Batterien achten!), 2 Liter Wasser in ½ Liter-Flaschen (wg. der Gewichtsverteilung – die 2 Liter waren aber für mich zu wenig!!), 2 belegte Brötchen (waren für mich zu viel), Fotoapparat – auf Fernglas, Handy und GPS hab ich verzichtet.

Auf Stromboli gibt es verschiedene Anbieter für die Bergtouren. Ich hab bei Antonio Famularo angeheuert, weil es von denen hieß, sie würden besonders darauf achten, dass auch alle Kunden auf den Vulkan kommen. Wir waren dann eine Gruppe von 40 Leuten, ein Bergführer vorne, einer hinten. Ich wurde, als der Dickste, zusammen mit einem rund 8 Jahre älterem Teilnehmer an die Spitze der Gruppe gestellt – wir sollten das Tempo vorgeben.

Soweit also das Technische und Organisatorische - jetzt geht’s um den Aufstieg und damit um´s Mentale. Ich hatte mir vorgenommen, mich weder vom Bergführer, noch von der Gruppe hetzen zu lassen – gemütlich geht aber auch nicht. Also versuchte ich von vorn herein „meinen“ Rhythmus zu finden, von dem ich überzeugt war, ihn bis zum Gipfel durchzuhalten. Das hieß für mich: eher kleine Schritte, eher kleine „Stufen“ nehmen, dafür aber stetig – ohne Pause zwischen den Schritten. Jeweils auf den nächsten Schritt konzentrieren. Wenn diese Konzentration nachlässt, merkt man das sofort: ein Tritt rutscht, braucht zu viel Kraft oder (übel!) man tritt über Kreuz. Kehren lieber mit mehreren Schritten außen nehmen, als innen mit weniger Tritten größere Höhen überwinden. Jeder Stein ist besser, als auf Geröll oder Sand durch Muskelkraft den eigenen Stand zu sichern. Das heißt natürlich, den Blick auf den Boden zu heften. Die Aussicht zu genießen ist den wenigen(!) Pausen vorbehalten - wenn man mit dem Trinken fertig ist! Ich habe mich direkt hinter dem Bergführer gehalten und genau geguckt, wohin er den nächsten Schritt setzt – dort bin auch ich gegangen (außer in den Kehren). Auch die Wanderstöcke müssen sinnvoll gesetzt werden, damit man sich an ihnen hochziehen, oder (noch besser) abstoßen kann.

Ich habe mich nie danach erkundigt, wie viel Höhe wir noch schaffen müssen und habe auch nicht zum Gipfel gesehen! In den (Trink-)Pausen den Ausblick nach unten zu genießen und die bereits überwundene Höhe zu hören, war dagegen gut, auch wenn man dabei das Gehirn nicht abschalten kann und selbstverständlich sich den Rest ausrechnet. Hingesetzt habe ich mich in den Pausen nie – ich wollte meine Anspannung beibehalten – das „wieder Hochkommen“ kostet viel mehr Kraft!

Ich habe auch versucht, meinen Atem ruhig zu halten und die Atemzüge über 2 – 3 Schritte auszudehnen. Natürlich habe ich mächtig geschnauft! Ich hatte den Eindruck, ich würde dem Bergführer ständig in den Nacken pusten :-) Das war mir aber ziemlich bald egal – ich hatte genug mit mir zu tun und konnte auf Kleinigkeiten (Wie weit darf man sich das Hemd aufknöpfen, ohne unschicklich auszusehen?) keine Rücksichten nehmen.

Ich war übrigens auch nicht der Bremser der Gruppe. Der ältere Teilnehmer und sehr bald auch ein etwa 12-jähriges Kind machten das Tempo.

Nach gefühlt sehr langer Zeit hieß es seitens des Bergführers „Nur noch 30 Minuten“, dann „Helm aufsetzen. Nur noch 10 Minuten“. Die steile Steigung war jetzt vorbei, man sah schon den Gipfel - dann waren wir oben. Nach 2 ½ Stunden, also 15 Minuten später als angesagt.

Wir waren auch nicht die einzige Gruppe, die zu diesem Zeitpunkt am Gipfel ankam. Wie waren ca. 250 Leute, die da Aufstellung nahmen um die vier Krater zu beobachten. Und ich habe in etliche Gesichter von 20-40-jährigen gesehen, die nach diesem Aufstieg auch deutlich angestrengt aussahen :-). Aber – und das kann ich jedem/jeder versprechen – die Strapazen sind vergessen, sobald man dort oben steht, die rot scheinenden Krater sieht und gespannt auf die nächste Eruption wartet...

Leider kann man dabei auch Pech haben. Der Stromboli spuckt zwar im Durchschnitt alle 20 Minuten – aber das ist Statistik. In der Stunde, die unserer Gruppe auf dem Gipfel blieb, gab es keine Lavafontäne zu sehen! Trotzdem waren die „Urkräfte“ zu spüren – durch deutlichen Schwefelgeruch, durch die rot schimmernden Krater, durch eine schwarze Wolke, die mit ordentlichem Sound einem Krater entwich und aus der es noch eine Weile schwarze Vulkanasche auf uns regnete.

Ich habe dort oben als erstes das klatschnasse Hemd getauscht und auch die Jacke übergezogen. Es war da doch merklich kühler und luftiger.

Neben der Vulkanaktivität gab´s einen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen und anschließend einen prächtigen Sternenhimmel.

Nach einer Stunde drängten die Bergführer zum Aufbruch – denn die nächsten Besuchergruppen warteten schon unterhalb des Gipfels. Jetzt kamen die Stirnlampen zum Einsatz und wir wurden darauf getrimmt, als Gruppe (erkennbar an den Farben der Helme) zusammen zu bleiben. Aus mir nicht erklärbaren Gründen, hatten es die Bergführer plötzlich eilig. Ich kam fast nicht mehr dazu, meine Wanderstöcke für den Abstieg zu verlängern. Jetzt spielte auch die Reihenfolge keine Rolle mehr - wir wurden wahrlich den Berg runter gescheucht! Nach etwa 10 Minuten bekamen wir die Gelegenheit, die Jacken auszuziehen – das war auch nötig! Viele haben dort auch ihre Helme abgesetzt. Ich nicht, weil ich kein schlackerndes Gewicht am Rucksack haben wollte – aber ich hätte ihn ja auch in den Rucksack packen können... Dann ging´s weiter steil bergab durch lockere Vulkanasche. Hier hatte ich echte Not. Einerseits sank der Fuß bei jedem Schritt in die lockere Asche und rutschte dabei weiter, sodass der Schritt verlängert wurde. Es kostete Kraft, darauf zu achten, dass es nicht zu Überdehnungen der Schrittlänge oder, wg des unsicheren Grunds, des Sprunggelenkes kommt. Andererseits hatte ich wirklich Mühe den Anschluss an die Gruppe zu halten. Das ging nicht nur mir so – hinter mir tat sich eine Lücke auf, die dann über 200 m lang wurde und erst bei der nächsten Rast geschlossen werden konnte. Dabei war es völlig dunkel! Nur die Stirnlampe beleuchtete den Boden unmittelbar vor mir. Die Pause wurde nach dem Verlassen der Vulkanaschefelder eingelegt und wurde nicht nur zum Durst löschen genutzt (bei der Hetze war es unmöglich, zwischendurch zu trinken), sondern vor allem um die Asche aus den Schuhen zu kippen. Ich hatte in jedem Stiefel ca. 2 EL voll! Meine Freundin hat es schlimmer erwischt – bei ihr hatte die Asche in den Stiefeln schon die Knöchel aufgescheuert.

Ich denke, man merkt es auch beim Lesen dieses Textes: den Aufstieg hatte ich durchdacht und diszipliniert bewältigt. Beim Abstieg war ich nicht mehr souverän! Ich hatte den Abstieg unterschätzt.

Was könnte man anders machen? Erstens: sich rechtzeitig dafür vorbereiten, d.h. Wanderstöcke verlängern, Stiefel enger schnüren um die Knöchel zu stabilisieren und ruhig auch schon die Jacke wieder ausziehen. Und zweitens: sich darauf einstellen, dass der Abstieg noch mal ne richtig harte Nummer wird und entsprechende Konzentration erfordert..

Unten angekommen, war ich wieder klatschnass geschwitzt. Sogar die Schulter- und Kinnriemen von Rucksack und Helm waren tropfnass! Aber ich war glücklich es gewagt und geschafft zu haben, und mir das Erlebnis vulkanischer Urkräfte auf dem Gipfel des Stromboli erkämpft zu haben!

1 Antwort
Frankfurt
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1. AW: Stromboli Besteigung mit BMI 33

Hallo Thomas,

von mir mal ein Dankeschön für den interessanten Bericht. Ich glaube, Du hast gute Tipps für Wanderanfänger im Gebirge gegeben. Gerade was Tempo, Ausrüstung, Rhythmus, Temperaturen und unterschätzter Rückweg betrifft.

Noch zum BMI: Gebrigswandern ist auch ne Super Chance abzunehmen (wenn man nicht danach wieder Jojo mäßig nach oben geht). Hatte bei meinen Gebirgstouren im Sommer 1 kg pro Tag verloren. Das waren bei einer 10 Tagestour 10 Kilo. Wie Du schon geschrieben hast, man braucht tagsüber in der Hitze nur Wasser und abends etwas Kohlenhydrate für den nächsten Tag.

Vielleicht hast Du ja jetzt Lust auf viele neue interessante Touren bekommen?

Schönen Gruß

ikarusfly

Antwort auf: Stromboli Besteigung mit BMI 33
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