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Über Mailand an die italienische Riviera

Hamburg, Deutschland
Beiträge: 1
Über Mailand an die italienische Riviera

9:48 Cisalpino ab Lugano - Mailand an 10:45

12:15 IC ab Mailand - Genua - Ventimiglia an 17:03

Pünktlich stehe ich morgens im Bahnhof von Lugano. Mich erwartet der Cisalpino, ein italienischer Zug vom Typ "Pendolino", dessen Wagen in den Kurven schwingen und dadurch eine höhere Geschwindigkeit ermöglichen. In Deutschland gibt es das inzwischen auch, nur den Namen hat man nicht übernommen, hier heißt es „Zug mit Neigetechnik“. Pendolino finde ich viel schöner, auch die Bedeutung ist doch unmittelbar klar. Auf meinem Sitz liegt ein kleines Pappkärtchen, das die Gebärdensprache erklärt. Kurz vor der Abfahrt erscheint ein Mann, der die Kärtchen wieder einsammelt. Er sei taubstumm, bedeutet er mir, und gegen eine Spende von einem Franken könne ich die Karte behalten. Ich bin in guter Stimmung, er arbeitet ja auch für das Geld, also kaufe ich sie ihm ab. Los geht die Fahrt! Zunächst geht es am Luganer See entlang, hinter der italienischen Grenze bei Chiasso durch einen langen Tunnel und schließlich aus den Alpen heraus und in die Poebene. Das Land wird flach und eben, die Besiedlung nimmt zu, und schon nach einer Stunde komme ich in Mailand an. Der Bahnhof Milano Centrale ist eine Wucht - im wörtlichen Sinne. Gebaut unter Mussolini im gigantomanen Stil des Faschismus soll er den ankommenden Reisenden wohl erschlagen. Eine riesige Halle empfängt ihn, etwas düster, aber bedeckt mit Bildern und Skulpturen. In Hamburg würden wir für so etwas Eintritt verlangen. Zweieinhalb Stunden habe ich Zeit, und der Mailänder Dom soll nicht weit sein, nur wo? An den Schaltern stehen riesige Menschenschlangen, eine Touristeninfo ist nicht zu entdecken. An einem Kiosk erstehe ich einen kleinen Stadtplan und erfahre, dass ich mit der Metro in wenigen Minuten zum Dom fahren könne. Also ab in den Tunnel, ich sehe mich schon ratlos vor einem Fahrkartenautomaten stehen - doch es gibt tatsächlich einen mit einem Menschen besetzten Schalter. Und der Fahrpreis zum Dom steht auch gleich angeschlagen, ich bin wohl nicht der Erste mit dieser Idee. Die U-Bahn sieht aus wie die New Yorker, die man aus Krimis kennt: Wenige Plastiksitze quer zur Fahrtrichtung, man steht überwiegend, und alles ist mit Graffiti beschmiert. Ich bin froh, als ich aussteigen kann. Durch einen schwach beleuchteten Gang gehe ich Richtung "Piazza Duomo", das klingt doch schon mal gut, steige eine Treppe hoch - und die Sonne geht auf! Sie scheint mir geradewegs ins Gesicht, über mir erstreckt sich blauer Himmel, und ich komme genau auf dem Platz vor dem Dom hoch, 100 m entfernt recken sich seine Türmchen und Säulen in die Höhe - ein fantastischer Anblick. Ich betrete die Kirche - und es empfängt mich wieder Dunkelheit, das Innere ist düster und nur schwach von Kerzenlicht erleuchtet. Da halte ich mich nicht lange auf, die italienische Sonne draußen ist viel schöner, und es drängt auch die Zeit. Durch die imposante Galleria Vittorio Emanuele II, heute mit Läden bestückt, gehe ich zu Fuß zum Bahnhof zurück. Ein "normaler" Zug erwartet mich, einer von denen, wo sich die Sitze im Abteil noch zusammenschieben lassen. Ich ergattere einen Fensterplatz, lege die Beine hoch und die Fahrt kann beginnen! Die Poebene ist flach und dicht besiedelt, wir kommen an unzähligen Ortschaften vorbei. In Genua fahren wir durch einen langen Tunnel in einen Kopfbahnhof, wo die Lok wird gewechselt wird. Eine alte Frau erscheint und verteilt Pappkärtchen. Das kenne ich doch schon? Diesmal wird darauf die Gebärdensprache auf italienisch erklärt. Wenig später kommt die Frau zurück und sammelt ihre Kärtchen wieder ein. Diesmal spende ich nicht, einmal am Tag genügt mir. Weiter geht die Fahrt durch den Tunnel, bis wir schließlich wieder ans Tageslicht kommen, und jetzt habe ich das Gefühl, gleich mitsamt dem Zug in einem Hochofen zu verschwinden. Rechts und links ragen riesige Fabrikanlagen in die Höhe, wir fahren mitten durch Raffinerien und Großindustrie aller Art. Endlich geht dieser unheimliche Teil der Reise zu Ende, und nun kommen wir ans Meer! Rechts wird es gebirgig, links schweift der Blick über die Riviera. Mal verlaufen die Schienen direkt am Strand, der hier überwiegend kiesig ist, vorbei an den Sonnenanbetern und Badenden, mal blicke ich direkt vom Bahndamm ins Wasser.

Ankunft in Ventimiglia! Wo ist die Touristeninfo? Nein, nicht hier im Bahnhof, wir sind nicht in der Schweiz, sie befindet sich irgendwo in der Stadt. Ich schultere meinen Rucksack und marschiere los. Nach einigem Suchen und Fragen finde ich das Büro, und die Dame dort schreibt mir drei Hotels zur Auswahl auf. „Wollen Sie nicht anrufen und fragen, ob noch ein Zimmer frei ist?“ bemerke ich. Nicht nötig, meint sie, es sei ja Nachsaison! Also marschiere ich los, es ist warm, der Rucksack schwer. Das Hotel Nummer 1 auf meinem Plan hat geschlossen. Fünf Minuten später erreiche ich Hotel Nummer 2: Ich stehe am Empfang, aber zunächst einmal ist keiner da. Nur ein großer Papagei hält wacht und krächzt mich an. Endlich erscheint eine resolute Frau. Irgendwie habe ich den Eindruck, ich störe sie. Sie guckt unwirsch. Nein, Einzelzimmer gibt es nicht, bedeutet sie mir, ich müsste schon ein Doppelzimmer nehmen - zum doppelten Preis, versteht sich! Danke, ich verzichte. Eine Adresse habe ich ja noch, also weiter zum Hotel Nummer 3: Es sieht so heruntergekommen aus, dass ich gar nicht erst hinein gehe. Nun muss ich zurück zur Touristeninfo, da die Hotels eher dünn gesät sind, und komme einigermaßen abgehetzt dort wieder an. Jetzt telefoniert die freundliche Dame doch: Ein Zimmer, nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt (und damit 25 Minuten vom Bahnhof!), aber dafür gleich am Strand. Schweiß gebadet wandere ich die Strandstraße entlang, ich bin eher dick angezogen, und mir entgegen kommen die Urlauber in Badekleidung. Man sollte nicht glauben, dass ich vor zwei Tagen noch Schnee und Regen satt hatte! Sollte ich nicht noch schnell ins Mittelmeer springen? Aber nein: Eine Badehose habe ich gar nicht erst eingepackt! Das Hotel erweist sich als kleine Pension in einer engen, typisch italienischen Gasse. Mein Zug morgen geht um acht Uhr, also kann ich kurz vor sieben frühstücken? "Ma no, colazione alle otto - Frühstück ab 8!" heißt es hier! Ich bin eben nicht mehr in der Schweiz, hier wird länger geschlafen. Aber meinen Zug muss ich trotzdem bekommen, dann eben ohne Frühstück. Die Wirtin ist kulant, sie reduziert meinen Zimmerpreis um das Essen!

Ich dusche, ziehe mich um und eile zurück zum Bahnhof! Die Fahrkarten für die morgige Reise muss ich noch kaufen, und da stehen gleich fünf Züge auf dem Plan! Dem weißhaarigen Beamten hinter der gläsernen Trennwand präsentiere ich meine per Internet fein ausgetüftelte Route. Gilt der Fahrplan noch? Und wenn ja: Kann das überhaupt gut gehen mit dem vielen Umsteigen? Der erste Teilabschnitt, die Fahrt durch die Seealpen nach Cuneo, soll besonders schön sein. Deshalb bin ich hier. Und von Turin nach Mailand will ich mir noch die Fahrt in dem aus Paris kommenden TGV gönnen. Mein Beamter nimmt meinen Plan, dreht sich zu seinem Computer und tippt. Das scheint ja zu klappen! Der Drucker fängt an zu rattern, und mit Stolz wird mir ein alternativer Fahrplan präsentiert: Abfahrt um 6 Uhr! Das ist doch viel zu früh, wie soll das denn gehen? Ich lese gar nicht weiter und tippe auf meinen Zettel: "Es gibt einen Zug um acht Uhr! Den möchte ich nehmen!" Der Beamte dreht sich wieder zu seinem Computer und beginnt erneut zu tippen. Wieso dauert das so lange? Was macht er denn da? Ich brauche doch nur die Fahrkarte! Endlich rattert der Drucker, wieder überreicht er mir einen Fahrplan, Abfahrt um 8 Uhr, aber: "Sie müssen nicht über Mailand fahren. Es geht auch komplett mit Regionalzügen, das ist viel billiger! Sehen Sie! Und es dauert nur eine Stunde länger!" Das will ich aber nicht. Er versteht nicht, warum ich unbedingt so fahren will, wie ich es notiert habe. Leider reicht mein Italienisch nicht für weitere Erklärungen, ich kann nur insistieren, dass ich diese Route und keine andere fahren will. Er versteht es nicht, aber wenn's denn unbedingt sein muss... "Also den Regionalzug nach Cuneo in der 1. Klasse?" "Ja bitte". Der Drucker spuckt eine Fahrkarte aus. "Der anschließende Regionalzug nach Turin hat aber nur 2. Klasse!" Dann eben die! "Und der TGV in der 1. Klasse? Wirklich?" Sehe ich denn so abgerissen aus? Hätte ich mir eine Krawatte umbinden sollen? Ja doch! Langsam nervt er mich, es ist laut und warm hier und wir müssen durch eine Glasscheibe miteinander reden. Zum Glück wartet hinter mir keiner. "Der TGV ist reservierungspflichtig, dafür brauchen Sie eine Platzkarte", kommt als nächstes. Bitte, auch die bezahle ich!. "Den IC nach Brig auch in der 1. Klasse?" Aber er erwartet nicht mehr ernsthaft eine Antwort und dreht sich wieder an seine Tastatur. Endlich habe ich ein Bündel Fahrscheine in der Hand - eine knappe Stunde und sechzig Euro hat mich das gekostet! Das ist wirklich nicht teuer, denn die Bahn wird in Italien kräftig subventioniert.

Es dämmert bereits und es ist somit höchste Zeit, dass ich mir noch die Altstadt von Ventimiglia ansehe. Sie liegt nicht im Zentrum, sondern schließt sich an die moderne Stadt an. Eine Kopfsteinpflasterstraße führt langgestreckt einen Hang hinauf, links und rechts sind alte Häuser, aber die wenigen Läden haben schon geschlossen. In Italien heißt das, dass Rollläden vor den Schaufenstern herabgelassen sind, es also nichts zu sehen gibt. Ich steige auf der Straße hinauf, am anderen Ende wieder herab. Menschen sind kaum unterwegs, und ich bin etwas enttäuscht. Da haben andere Städte in Italien mehr Flair. Ich bummele wieder in die Strandgegend zurück, auch hier ist es leer, aber einige Restaurants haben geöffnet. Ich bestelle mir eine Pizza und genieße es, noch einmal draußen sitzen zu können, auch wenn es mittlerweile dunkel ist. Am Nebentisch sitzt ein junges Paar. Sie blickt unentwegt zu ihm hin, schmachtet ihn an, berührt seinen Arm und seine Hand, während er kaum reagiert und sich auf sein Essen konzentriert. Schade, dass ich hier allein sitze!

Lust auf mehr Berichte über meine Bahnreisen in Europa? Hier geht es zu meiner Homepage:

https://sites.google.com/site/einfeinerzug/

1 Antwort
London, Vereinigtes ...
Beiträge: 86
TripAdvisor-Team
1. AW: Über Mailand an die italienische Riviera

Hallo Dieter

Vielen Dank für deinen Beitrag un willkommen im TripAdvisor Forum. Es ist schön einen Beitrag über Zugreisen zu lesen. Vielleicht bekommst du ja noch andere Tips und Anregungen zu diesem Thema von unseren Forummitgliedern.

Mit freundlichen Grüßen,

Gabriel

Team ß TripAdvisor

Antwort auf: Über Mailand an die italienische Riviera
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